Wie aus meiner Leidenschaft für Landschaftsfotografie eigene Fotoworkshops und Fotoreisen entstanden
Manche Entwicklungen beginnen mit einem klaren Plan. Andere entstehen Schritt für Schritt – aus Neugier, Begeisterung und dem Wunsch, immer tiefer in eine Sache einzutauchen.
Bei mir war es die Fotografie.
Heute bin ich dabei, “Christoph Stoll Photography” neu auszurichten: weg von der klassischen Tätigkeit als Fotograf und hin zur professionellen Organisation eigener Fotoworkshops und Fotoreisen. Die Fotografie bleibt dabei das Herzstück meiner Arbeit. Sie wird künftig jedoch noch stärker mit einer zweiten großen Leidenschaft verbunden: dem Reisen.
Die ersten Schritte mit der Kamera meines Vaters
Mein Interesse an der Fotografie begann schon lange vor meiner ersten eigenen Kamera. Mein Vater fotografierte selbst und ermöglichte mir, mit seiner Kamera zu experimentieren. Ich probierte unterschiedliche Einstellungen aus, beschäftigte mich mit manueller Belichtung und versuchte langsam zu verstehen, wie Blende, Verschlusszeit und ISO zusammenspielen.
Richtig begonnen hat meine fotografische Reise schließlich im Jahr 2018.
Nach dem Abschluss meines Studiums hatte ich plötzlich viel mehr Zeit und Energie zur Verfügung, die zuvor größtenteils ins Lernen geflossen war. Diese neu gewonnene Freiheit wollte ich sinnvoll nutzen. Also erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch und kaufte meine erste eigene Vollformatkamera: eine Nikon D750.
Mein erstes Objektiv war ein Sigma 20 mm mit einer Lichtstärke von f/1.4. Rückblickend war das durchaus ein ambitionierter Einstieg – aber genau diese Kombination eröffnete mir völlig neue Möglichkeiten.
Schon kurz darauf reiste ich gemeinsam mit meinem Vater im Winter nach Norwegen, um Nordlichter zu fotografieren. Und tatsächlich hatten wir Glück: Wir konnten die Aurora sehen und fotografisch festhalten.
Aus heutiger Sicht waren meine damaligen Bilder alles andere als perfekt. Doch das spielte keine Rolle. Die Erfahrung, in der Dunkelheit unter dem tanzenden Nordlicht zu stehen und diesen Moment mit der eigenen Kamera festzuhalten, hat etwas in mir ausgelöst. Ich wollte mehr lernen, mehr sehen und besser verstehen, wie aus einer besonderen Landschaft ein wirklich ausdrucksstarkes Bild entsteht.
Gemeinsam lernen und Erfahrungen teilen
In dieser Zeit begannen auch zwei meiner Freunde, NoGigidi und Martin, intensiver zu fotografieren. Wir trafen uns regelmäßig, tauschten Erfahrungen aus und lernten voneinander.
Ich begann, die Videos von Benjamin Jaworskyj auf YouTube anzusehen, und kaufte mir seine damaligen Beginner Guides. Ich sog praktisch jedes neue Wissen auf, das ich finden konnte. Jeder Ausflug wurde zu einer Gelegenheit, etwas auszuprobieren: andere Kameraeinstellungen, neue Perspektiven, längere Belichtungszeiten oder bewusstere Bildkompositionen.
Kurze Zeit später reisten wir gemeinsam mit Philipp nach Island. Er war damals der erfahrenste Fotograf in unserer Gruppe und hatte eine fotografische Ausbildung absolviert. Von ihm konnte ich besonders viel über Fokus-Stacking und Panoramafotografie lernen.
In Island erstellte ich mit seiner Unterstützung mein erstes richtiges Panorama. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Es war einer jener Momente, in denen man merkt, wie wertvoll es ist, Wissen nicht nur theoretisch zu lernen, sondern direkt draußen in der Landschaft vermittelt zu bekommen.
Genau dieser persönliche Austausch prägt heute auch meine Vorstellung davon, wie ein guter Fotoworkshop aussehen sollte.
Als Fotografie und Reisen untrennbar wurden
Nach diesen ersten großen Erfahrungen folgte über die Jahre eine Reise nach der anderen.
Dabei wurde mir immer deutlicher, wie sehr mir die Verbindung aus Fotografie und Reisen liegt. Für mich bedeutet eine Reise nicht nur, einen neuen Ort zu besuchen. Ich möchte Landschaften bewusst erleben, das Licht beobachten, Wetterentwicklungen einschätzen und nach Perspektiven suchen, die eine bestimmte Stimmung vermitteln.
Gemeinsam mit Petra, Martin und NoGigidi organisierte ich immer häufiger unsere privaten Fotoreisen. Die Planung wurde mit der Zeit komplexer: geeignete Regionen auswählen, Unterkünfte koordinieren, Fahrtrouten festlegen, Sonnenstände berücksichtigen und genügend Flexibilität für Wetter und Licht einplanen.
Auch Martin beteiligte sich zunehmend an der Reiseplanung. Gemeinsam entwickelten wir immer aufwendigere Touren und sammelten dabei nicht nur fotografische, sondern auch organisatorische Erfahrungen.
Schon damals merkte ich, dass mir nicht nur das Fotografieren selbst Freude bereitet. Auch die Planung einer Reise, das Zusammenstellen eines sinnvollen Ablaufs und die gemeinsame Vorfreude auf besondere Landschaften wurden zu einem wichtigen Teil des Erlebnisses.
Eine prägende Begegnung mit Marc Adamus
Ein entscheidender Schritt in meiner fotografischen Entwicklung folgte im Jahr 2023.
Über Instagram war ich auf die Arbeiten des amerikanischen Landschaftsfotografen Marc Adamus aufmerksam geworden. Seine Bilder faszinierten mich sofort. Sie wirkten nicht wie bloße fotografische Dokumentationen einer Landschaft, sondern beinahe wie aufwendig gemalte Kunstwerke.
Im März 2023 nahm ich schließlich an einer Fotoreise mit ihm in den USA teil. Dort konnte ich nicht nur seine Arbeitsweise kennenlernen, sondern auch seine Sicht auf Landschaftsfotografie.
Für Marc ist ein Foto weit mehr als eine technisch korrekte Aufnahme. Er versteht Landschaftsfotografie als Kunst. Ein Bild darf für ihn wirken, als wäre es mit Öl- oder Acrylfarben gemalt worden. Licht, Farben und Kontraste werden bewusst gestaltet, ohne dass dafür zwangsläufig komplizierte Bearbeitungsmethoden notwendig sind.
Seine Arbeitsweise beeindruckte mich besonders, weil er seine Bilder mit vergleichsweise wenigen Werkzeugen in Photoshop entwickelt. Keine unzähligen Ebenen, keine endlosen Masken oder unnötig komplexen Abläufe – sondern ein sehr gezielter Umgang mit Licht, Farbe und Kontrast.
Nach der gemeinsamen Reise war ich noch mit meinem Vater im Südwesten der USA unterwegs. Anschließend nahm ich mir für den Rest des Jahres 2023 bewusst Zeit, meine fotografische Entwicklung neu zu ordnen.
Ich fotografierte weniger, beschäftigte mich dafür aber umso intensiver mit Bildbearbeitung. Ich las, sah mir Videos an, analysierte Bilder und versuchte, die von Marc vermittelten Gedanken auf meine eigene Arbeit zu übertragen.
Rückblickend war dieses Jahr wahrscheinlich der größte Entwicklungsschritt meines bisherigen fotografischen Weges.
Bildbearbeitung als digitale Malerei
Heute empfinde ich die Bearbeitung meiner Bilder als eine Form digitaler Malerei.
Ich sitze vor einer Aufnahme, experimentiere mit Licht, Farben und Kontrasten und versuche herauszuarbeiten, was ich vor Ort wahrgenommen und empfunden habe. Dabei geht es mir nicht darum, eine Landschaft vollkommen neu zu erfinden. Ich möchte vielmehr ihre Atmosphäre verstärken und jene Stimmung sichtbar machen, die mich in diesem Moment berührt hat.
Manchmal ist es ein einzelner Lichtstrahl, der durch die Wolken fällt. Manchmal sind es Nebelschleier im Tal, warme Farben in der Vegetation oder eine besondere Tiefenwirkung zwischen mehreren Bergketten.
Diese Arbeit ist für mich ein enormer Ausgleich. Sie verlangt Konzentration, Geduld und Kreativität – und macht mir heute noch genauso viel Freude wie zu Beginn.
Mein eigener Bildstil wurde stark von Marc Adamus beeinflusst, hat sich über die Jahre jedoch zunehmend weiterentwickelt. Ich versuche, Landschaften malerisch, atmosphärisch und dennoch glaubwürdig darzustellen.
Der Wunsch, eigene Fotoreisen anzubieten
Im Jahr 2024 meldete ich schließlich mein Fotografengewerbe an. Mein ursprünglicher Gedanke war, neben meiner fotografischen Tätigkeit auch eigene Fotoreisen anbieten zu können.
Dabei stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Organisation von Fotoreisen und Workshops im Ausland rechtlich wesentlich komplexer ist, als ich zunächst angenommen hatte. Wer Reiseleistungen professionell organisiert und anbietet, benötigt in Österreich eine entsprechende Gewerbeberechtigung.
Für mich war damit klar: Wenn ich diesen Weg einschlage, dann möchte ich ihn richtig gehen.
Ich begann mit der notwendigen Ausbildung und bereitete mich intensiv auf die Befähigungsprüfung für das Reisebürogewerbe vor. Diese Prüfung konnte ich 2026 erfolgreich abschließen – ein Schritt, auf den ich mit großer Freude und auch ein wenig Stolz zurückblicke.
Damit wurde aus einer langjährigen Idee erstmals ein konkretes berufliches Vorhaben.
Christoph Stoll Photography entwickelt sich weiter
Derzeit befinde ich mich mitten in der Umstrukturierung meines gesamten Business-Setups.
Viele organisatorische und rechtliche Fragen müssen geklärt werden. Verträge, Versicherungen, Insolvenzabsicherung, Buchungsabläufe, Allgemeine Geschäftsbedingungen und vorvertragliche Informationen sind nur einige der Themen, mit denen ich mich momentan intensiv beschäftige.
Vieles davon ist komplex und für mich teilweise noch neu. Doch Stück für Stück entsteht eine klare Struktur.
Mit dem 1. Jänner 2027 beginnt schließlich offiziell ein neues Kapitel: Ab diesem Zeitpunkt werde ich meine Tätigkeit im Rahmen des Reisebürogewerbes ausüben und eigene Fotoreisen anbieten können.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mich von der Fotografie entferne. Im Gegenteil: Die Landschaftsfotografie bleibt der Mittelpunkt meines Schaffens. Ich erweitere sie lediglich um jenen Bereich, der mich schon seit vielen Jahren genauso begeistert – die Organisation und das gemeinsame Erleben von Reisen.
Was ich mit meinen Fotoreisen schaffen möchte
Ich hoffe, im deutschsprachigen Raum Menschen zu erreichen, die Lust darauf haben, gemeinsam besondere Orte zu entdecken und intensive fotografische Erlebnisse zu teilen.
Meine Fotoreisen sollen keine Massenveranstaltungen sein. Geplant sind bewusst kleine Gruppen, in denen genügend Zeit für persönliche Betreuung, gemeinsames Lernen und individuelles Fotografieren bleibt.
Ich möchte mit meinen Teilnehmern:
außergewöhnliche Landschaften entdecken,
starke Licht- und Wetterstimmungen erleben,
Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge fotografieren,
gemeinsam nach spannenden Kompositionen suchen,
voneinander lernen,
Erinnerungen und Erfahrungen teilen,
und die Natur nicht nur fotografieren, sondern bewusst erleben.
Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als gemeinsam draußen zu stehen, während die Landschaft langsam aus der Dunkelheit hervortritt und das erste Licht des Tages die Umgebung verändert.
Manchmal sind es spektakuläre Bedingungen mit Nebel in den Tälern und leuchtenden Wolken. Manchmal ist es einfach die Ruhe eines frühen Morgens. Beides kann zu einem besonderen Erlebnis werden.
Zunächst Europa – später vielleicht die Welt
Zu Beginn möchte ich mich vor allem auf Fotoreisen innerhalb Europas konzentrieren. Hier gibt es unzählige Landschaften, die fotografisch außergewöhnliche Möglichkeiten bieten und sich hervorragend für kleine, intensiv betreute Gruppen eignen.
Langfristig möchte ich mir jedoch alle Möglichkeiten offenhalten.
Marc Adamus hat mich nicht nur fotografisch, sondern auch mit seinen außergewöhnlichen Expeditionen an entlegene Orte der Welt inspiriert. Vielleicht werde auch ich eines Tages solche Reisen organisieren können. Vielleicht entstehen später Kooperationen mit anderen Fotografen – oder irgendwann sogar ein gemeinsames Projekt mit Marc.
Doch das ist momentan noch Zukunftsmusik.
Mir ist wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen, Erfahrungen zu sammeln und meine Angebote nachhaltig aufzubauen. Der erste große Schritt ist mit der erfolgreich bestandenen Befähigungsprüfung getan.
Ideen für zukünftige Fotoreisen gibt es bereits einige. Welche das sind, ist jedoch eine Geschichte für ein anderes Mal.
Ein neues Kapitel beginnt
Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, erkenne ich einen Weg, den ich zu Beginn niemals vollständig hätte planen können.
Er begann mit ersten Experimenten an der Kamera meines Vaters, führte über Nordlichter in Norwegen, gemeinsame Reisen mit Freunden, mein erstes Panorama in Island und die prägende Erfahrung mit Marc Adamus bis hin zur Befähigungsprüfung für das Reisebürogewerbe.
Aus einer Leidenschaft wurde mit der Zeit eine klare Vision.
Ich möchte Landschaftsfotografie, Reisen und persönliche Wissensvermittlung miteinander verbinden. Ich möchte Menschen an besondere Orte begleiten, gemeinsam mit ihnen lernen und jene Momente erleben, die man nicht vollständig planen oder erzwingen kann.
Denn genau darin liegt für mich die Faszination der Landschaftsfotografie: Man weiß nie genau, was einen erwartet. Doch manchmal passen Licht, Wetter und Landschaft für einen kurzen Augenblick perfekt zusammen.
Und genau für diese Momente lohnt es sich, aufzubrechen.
